Fürst Pücklers Orient zwischen Realität und Fiktion

15. 11. 201817. 11. 2018

Branitz/Bad Muskau

Nicht nur als Gartenkünstler, sondern auch als Vielreisender und Autor von mehr als 20 Büchern, in denen er von seinen Aufenthalten in nahen oder entfernten Weltteilen erzählte, ist Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871) heute noch bekannt. Neben der Englandreise in den Jahren 1826–1829 hat man vor allem seine Orientreise von 1834–1840 in Erinnerung, die ihn nach Algerien, Tunesien, Griechenland, Ägypten, Syrien und dem Gebiet der heutigen Türkei sowie die Donau entlang durch Ungarn und Österreich führte. Der Orient – sowohl als politische Konstellation von Staaten und Ländern verstanden, die damals zum Osmanischen Reich gehörten oder gehört hatten, wie auch als imaginäres Konstrukt – war neben England und Frankreich ein wesentlicher Pol von Pücklers Lebens- und Gedankenwelt.

Pückler gehörte zu den Protagonisten der »schillerndsten Zeit des Orientalismus«, zu den Schriftstellern und Lebemenschen, die im 19. Jahrhundert nach und nach an die Stelle von Pilgern, Missionaren und Forschern traten, sich im Orient ihren Imaginationen hingaben und aus dem, was sie von ihren Reisen an Eindrücken und Objekten gesammelt hatten, in Europa kleine orientalische Inseln schufen. Der mit orientalischen Motiven spielende Park Branitz, die derzeit in Restaurierung befindlichen Orientzimmer im Schloss und die Orientalika-Sammlung sind die in Branitz erhaltenen Beispiele dafür.

Im Bad Muskauer Badepark wird eine neue Dauerausstellung ab 2022 die fürstliche Orientreise aufarbeiten und die Lebenswege der in Pücklers Entourage mitreisenden Machbuba und des aus dem Südsudan stammenden Joladour nachvollziehen. Die Tagung bietet nicht nur die Vorstellung der aktuellen »Orient-Projekte« in Bad Muskau und Branitz, sondern die Beiträge beleuchten auch den historischen und politischen Hintergrund der Reise, fragen nach der Rezeption der Pückler-Schriften und verweisen nicht zuletzt auf viele offene Forschungsfragen.

Zum Programm: hier