Jahresrückschau und Ausblick

Nach einem dynamischen Jahresstart überraschte uns alle im März eine ganz neue Erfahrung, die auch den Muskauer Park betraf: bis Ende April geschlossene Serviceeinrichtungen und Ausstellungen, abgesagte Veranstaltungen, Maskenpflicht im Neuen Schloss. Dennoch hielt das Jahr 2020 auch viele schöne, ja vielleicht umso intensivere Erlebnisse bereit.

Nach einem verspäteten, schrittweisen Saisonstart ab Anfang Mai bildete die Eröffnung der Sonderausstellung „Die zarte Leichtigkeit der Farben – Wiederentdeckte Muskauer Aquarelle des Landschaftsmalers Carl Graeb (1816-1884)“ am 19. Juni nach langer Durststrecke wieder einen kulturellen Höhepunkt. Die einzigartigen künstlerischen Meisterwerke zogen über viereinhalb Monate hinweg mit ihren sanften Farbtönen, ihren bezaubernden Lichtstimmungen und ihrer unglaublichen Detailgenauigkeit die Besucher in ihren Bann.

Nach dem stillen Frühjahr füllte sich der Muskauer Park über den gesamten Sommer und Herbst hinweg wieder mehr und mehr mit Spaziergängern und Radfahrtern. Thematische Parkführungen, Kutschfahrten, der Tag des offenen Denkmals sowie die Apfel- und Genusstage fanden erfreulichen Zuspruch.

Ein herausragendes Ereignis war der Besuch von Frau Kulturstaatsministerin Professor Monika Grütters, die am 20. August gemeinsam mit dem Sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer eine Fahrradtour durch den Park unternahm und eine Absichtserklärung zur weiteren institutionellen Förderung des Muskauer Parks unterzeichnete. Einen Meilenstein für die Errichtung eines modernen Informations- und Bildungszentrums für den deutsch-polnischen UNESCO-Geopark Muskauer Faltenbogen im Kavalierhaus bildet das Finanzierungsabkommen, das Frau Grütters und Herr Kretschmer an diesem Tag ebenfalls unterschrieben.

Im Herbst konnten außerdem zwei in Vergessenheit geratene architektonische Kunstwerke des Fürsten Pückler wieder aus dem Schatten treten: die beiden in den 1960er Jahren sanierten und dabei in ihrer Form wesentlich vereinfachten Bauten der Rehderbrücke im Herrengarten und der Roten Brücke im Bergpark wurden mit großem Aufwand instandgesetzt und erhielten dabei ihre ursprüngliche, überaus elegante Geländerform zurück.

Im Rahmen des Lausitz Festivals waren im Muskauer Park in der ersten Oktoberhälfte schließlich noch vier großartige Konzerte mit Weltklasse-Künstlern und – aufgrund der vorgeschriebenen Abstände – einmaligem Wohnzimmer-Charakter zu erleben.

Nun naht ein langer Winter, doch wir freuen uns schon auf die nächste Saison, die wieder mit einem ganz wunderbaren Höhepunkt aufwartet: im Hermannsbad wird nach über 75 Jahren Pause endlich wieder ein Pavillon stehen! Das Dresdner Büro Alexander Poetzsch Architekten hat dafür einen Entwurf entwickelt, der es erlaubt, den neuen Musikpavillon mit drei Wandmodulen vielfältig für verschiedenste Veranstaltungen nutzen zu können. Während früher an diesem Platz jeder neu ankommende Gast durch die Badekapelle begrüßt wurde, können bald einer ganzen Besucherschar die unterschiedlichsten Veranstaltungen kulturellen Genuss bescheren…

Entwurf für den Musikpavillon im Hermannsbad
Alexander Poetzsch Architekten, Dresden